Ein Jahr Cannabislegalisierung in Hamm

Seit einem Jahr ist Kiffen für Volljährige legal. Darüber gab es viel Streit. Die CDU hat im Wahlkampf angekündigt, das Cannabis-Gesetz zu kippen. Wir haben in Hamm nachgefragt, wie hier die Einschätzung ist.

Ein Drogentest bei der Polizei Hamm.
© Radio Lippewelle Hamm

Polizei Hamm hat weniger mit Cannabis zu tun

Für die Polizei in Hamm ist die Lage klar: Sie musste deutlich weniger Cannabis-Delikte zu verfolgen. 2024 waren es zwischen April und Jahresende 345 Fälle, sonst schon mal fast 200 mehr. Trotzdem sei der Drogenhandel weiter ein Thema in Hamm, sagte uns Polizeipräsident Thomas Kubera.

"Und die Kleinstdealer, die so etwas tun bei uns in der Stadt, die sind nicht nur mit Cannabis unterwegs, sondern auch mit Kokain für den Crackgebrauch, das ist auch etwas wo wir gegenhalten. Unser Einsatztrupp versucht diese Dealer unter Kontrolle zu bringen"

Amtsgericht Hamm hat nicht weniger Fälle

Das Amtsgericht Hamm sieht keine Entlastung durch die großzügigeren Cannabis-Regeln. "Insgesamt sind die Fallzahlen in Strafsachen nicht merklich runter gegangen.", sagt Sprecherin Nina Schraml. "Zu berücksichtigen ist hier insbesondere, dass in der Vergangenheit früher jemand z.B. beim Diebstahl auffiel und dann auch noch Cannabis dabei hatte." Jetzt gibt es dann immer noch das Verfahren wegen Diebstahl. Beim Schöffengericht würden teilweise jetzt große Mengen Cannabisbesitz angeklagt, die früher teilweise beim Landgericht gelandet sind.

Jugendsuchtberatung hat mehr Anfragen von Institutionen

Die Jugendsuchtberatung in Hamm hat etwas weniger Nachfragen von Eltern oder Jugendlichen, dafür mehr Nachfrage von Einrichtungen wie Schulen oder auch von der Polizei. Zu einem Suchtfachtag im letzten Jahr gab es über 100 Anmeldungen. Das sagte uns Annette Riedesel, Beraterin beim Arbeitskreis Jugendhilfe:

"Dabei geht es vor allem um Fragen und Unsicherheiten. Was ist erlaubt und was verboten. Und wie kann man erkennen ob jemand Cannabis konsumiert hat."

Mehr Personal für Präventionsangebote vor Ort gebe es leider nicht. Dabei stehe es um die psychische Gesundheit von Jugendlichen derzeit besonders schlecht. Laut einer Studie hätten 22 Prozent psychische Auffälligkeiten, Cannabiskonsum sei da eine Bewältigungsstrategie.

"Deshalb ist es wichtiger denn je verstärkt in die Suchtprävention zu investieren, um Suchtkarrieren zu verhindern und Jugendlichen langfristig zu helfen." Annette Riedesel, Jugendsuchtberatung

Vapes mit künstlichem Cannabis sind großes Problem

Große Sorge machen den Beratern schon länger die Vapes mit künstlichen Cannabinoiden, sagt Annette Riedesel. Die würden von immer mehr sehr jungen Jugendlichen konsumiert in dem Glauben, es handele sich um Cannabis. Die künstlichen Wirkstoffe machten noch schneller abhängig und führten bei vielen Jugendlichen zu Problemen.

Hamm hat bisher keinen Cannabis-Club

Einen Cannabis-Anbau-Club gibt es in Hamm übrigens nach unseren Informationen immer noch nicht. Das Land NRW ist bei der Zulassung der 

Clubs besonders streng. Diese Vereine dürfen bestimmte Mengen an Pflanzen anbauen und den Wirkstoff unter den Mitgliedern verteilen. Damit soll auch der Schwarzmarkt zurückgedrängt werden.


Rainer Wilkes


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